Reformhaus Mommertz Beratung

Cranberry und Preiselbeere – die sanktionierten Naturmittel

Die Cranberry, auch Moosbeere oder Kranichbeere, stammt ursprünglich aus Nordamerika. Sie ist eng verwandt mit der europäischen Preiselbeere, die im Vergleich zur Cranberry deutlich kleinere Früchte hervorbringt. Die frischen Früchte sind sehr herb – durch das Einlegen beispielsweise in Ahornsirup oder Rohrzuckersirup werden die getrockneten Beeren saftig, schmecken angenehm herb-süß, können wie Rosinen verzehrt werden und in vielen Kochrezepten die getrockneten Weintrauben als erfrischende Variante ersetzen.

Die Cranberries (wissenschaftlich: Vaccinium macrocarpon) werden schon seit Jahrhunderten von den Ureinwohnern Nordamerikas geschätzt, sie galten bereits in der indianischen Medizin als Heilmittel gegen Blasenleiden. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen inzwischen, dass der positive Effekt auf die Gesundheit der Harnwege vor allem auf spezielle sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Proanthocyanidine, zurückzuführen ist. Diese docken sich sowohl an die Schleimhaut der Harnwege als auch an die Bakterien (Escherichia coli) selbst, die somit ihre Fähigkeit verlieren, sich im Blasentrakt einzunisten. Lose im Urin schwimmend, können diese Erreger dann mit dem Urin ausgeschieden werden – viel trinken ist daher bei einer Blasenentzündung und auch vorbeugend sehr wichtig.

Die international anerkannte französische Behörde für Lebensmittelsicherheit (AFSSA) hatte bestätigt, dass 36mg Proanthocyanidine (PAC) aus der nordamerikanischen Cranberry pro Tag eine gesunde Harnwegs- und Blasenfunktion unterstützen. Auf Basis der wissenschaftlichen Untersuchungen leitete die AFSSA daraus ab, dass der regelmäßige Verzehr von 36mg Proanthocyanidinen bei Erwachsenen die Gesundheit der Harnwege fördert.

Und dann fällte die EU ihr Urteil
Eine „Expertenkommission“ der Europäischen Union hat 2012 eine sogenannte Health-Claims-Verordnung erlassen, die am 14.12.2012 in Kraft trat. In dieser europaweit uneingeschränkt geltenden Verordnung ist detailliert festgelegt worden, zu welchen Wirkstoffen in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln gesundheitsbezogene Angaben gemacht werden dürfen. Es ist sogar sehr genau festgelgt worden, wie diese Angaben formuliert werden müssen. Cranberries und Preiselbeeren bzw. die hierin enthaltenden Pflanzenstoffe sind nicht in dieser Liste enthalten.

Trotz aller über viele Jahre gesammelter positiver Erfahrungen und unzähliger dankbarer Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden in allen Reformhäusern Deutschlands ist daher die Auslobung positiver Eigenschaften von Cranberry-Produkten in Richtung Blasengesundheit verboten. Theoretisch möglich ist es seit dem EU-Erlass hingegen, beispielsweise Produkte vom toten Tier mit Ascorbinsäure vollzupumpen, um dann den positiven Effekt eines Hackbratens aufs Immunsystem zu bewerben.

Welcher Rat darf nun Menschen gegeben werden, die einer nächsten Blasenentzündung vorbeugen wollen? Wenn’s nach der EU geht: warm anziehen und Tee trinken (hoppla, Tees in einen gesundheitsbewahrenden Kontext zu bringen, ist selbstverständlich auch verboten). Und wenn das nicht hilft, gibt’s halt wieder lecker Antibiotika. Die Pharmaindustrie sagt Danke.


Nachtrag 2016: Unser Reformwaren-Hersteller Salus hat nun eine Lösung des Dilemmas gefunden! Der Firma, die im Jahr 2016 100-jähriges Firmenjubiläum feiert, ist es gelungen, Cranberry-Kapseln als sogenanntes Medizinprodukt anzumelden. Medizinprodukte fallen, im Gegensatz zu Nahrungsergänzungsmitteln, nicht unter die Health-Claims-Verordnung. Sie zeichnen sich durch eine rein physikalische Wirkweise aus. Offenbar liegen inzwischen Studien vor, die die Wirkung bestimmter Pflanzenstoffe in Cranberries auf eben diese Art belegen. Daher darf nun für das Cranberry-Medizinprodukt mit Proanthocyanidinen des Typs A die positive Wirkung benannt werden: „zur unterstützenden Behandlung von Blasenentzündungen und zur Vorbeugung von unkomplizierten Harnwegsinfekten“ (weiter Informationen in der Salus-Broschüre (PDF, 3 MB). Danke an Salus und ein großes Kompliment an die dortige Forschungs- und/oder Marketingabteilung.